
Jährlich erleiden etwa 200 000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall – ein Drittel davon stirbt, ein Drittel lebt danach mit einer bleibenden Behinderung. Eine frühzeitige Erkennung und Therapie kann die Perspektiven für den Betroffenen entscheidend verbessern.

Beim Pflegesymposium des CaritasKlinikums Saarbrücken – St. Theresia ging es um „Demenz im Akutkrankenhaus“ – ein hochaktuelles Thema, das Kliniken vor völlig neue Herausforderungen stellt.
Die Behandlung von Menschen mit demenziellen Erkrankungen stellt Akutkrankenhäuser vor immer größer werdende Herausforderungen. Die Zahl älterer Patienten steigt vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung stetig an und mit ihr auch die Zahl der an Demenz Erkrankten. Das CaritasKlinikum Saarbrücken – St. Theresia nahm sich des Themas nun im Rahmen eines Pflegesymposiums an. Unter dem Titel „Demenz im Akutkrankenhaus – eine aktuelle und zukünftige Herausforderung“ hatte das Klinikum vergangenen Donnerstag zu einer ganztägigen Veranstaltung mit Vorträgen und Workshops eingeladen.
In seiner Eröffnungsrede hob der saarländische Gesundheitsminister Georg Weisweiler die gesellschafts- und gesundheitspolitische Bedeutung des Themas hervor: „Wir alle haben die Chance, älter zu werden. Das hat zur Folge, dass statistisch gesehen jeder Dritte von uns eines Tages mit Demenz belastet sein wird. Im Saarland sind derzeit schätzungsweise 15.000 bis 20.000 Menschen an Demenz erkrankt. Das wirkt sich natürlich auch auf die Patientenstruktur eines Krankenhauses aus.“ Meist werde ein an Demenz erkrankter Mensch wegen eines anderen akuten gesundheitlichen Problems ins Krankenhaus eingewiesen. Die Klinik sei aber nicht auf die Therapie der Demenz ausgerichtet, die zur Nebendiagnose werde – „mit fatalen Folgen für den altersverwirrten Patienten, für den der Klinikaufenthalt zum Horrortrip wird“, so Weisweiler.
Das System einer Klinik sei auf einen anpassungsfähigen, kooperativen Patienten ausgelegt, was auf demenzkranke Patienten nicht zutreffe. Um die Rahmenbedingungen für Demenzkranke zu verbessern, sei das Thema auch als Schwerpunkt in den Krankenhausplan 2011- 2015 aufgenommen worden. „Die Tatsache, dass diese Veranstaltung so gut besucht ist, macht deutlich, dass das Thema im Krankenhaus angekommen ist“, so der Gesundheitsminister. Daher sei er besonders den katholischen Krankenhäusern dankbar, die mit Veranstaltungen wie dem Pflegesymposium im CaritasKlinikum das Bewusstsein für die Erkrankung Demenz stärkten.
Ursula Hubertus, Pflegedirektorin des CaritasKlinikums Saarbrücken – St. Theresia betonte, dass ohne dringend notwendige Reformen eine angemessene Versorgung von demenzkranken Patienten kaum noch zu leisten sein wird. Hubertus: „Bis 2020 werden etwa 140.000 Pflegekräfte fehlen, bis 2030 rund 400.000. Ohne Reformen werden wir das Versorgungsniveau kaum aufrecht erhalten können. Es müssen Strukturen für Krankenhäuser und Pflegende her, die entlasten. Die Selbstverwaltung der Pflegekammer wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung.“ Außerdem sei die Politik gefordert, Pflegeberufe interessanter zu gestalten. Denn die Behandlung von demenziellen Patienten im Akutkrankenhaus werde „in Zukunft keine Ausnahmesituation mehr sein.“
Mit einer der häufigsten Komplikationen während eines stationären Aufenthaltes demenzkranker Patienten, dem Delir, befasste sich Professor Dr. med. Peter Erwin Stolz, Chefarzt der Klinik für Neurologie im CaritasKlinikum Saarbrücken – St. Theresia.
Das Delir (Kurzform für Delirium) ist ein akuter Verwirrtheitszustand, der plötzlich einsetzt, das Denken, die Wahrnehmung und das Bewusstsein stört und zu einem lebensbedrohlichen medizinischen Notfall werden kann. Je älter der Patient und je fortgeschrittener die Demenz, desto höher sei das Risiko für ein Delir, so Professor Stolz. Die Folgen eines Delir sind schwerwiegend: „Im Schnitt ist eine fünf Tage längere Beatmung nötig. Außerdem ist die Sterblichkeit um das Dreifache erhöht“, erläutert Peter Erwin Stolz. Daher gelte es, das Auftreten des Delirs zu vermeiden oder seine Dauer zu verkürzen. „Natürlich ist eine medikamentöse Behandlung möglich. Meist helfen aber auch ganz einfache Dinge weiter“, so Stolz.
So seien beispielsweise Umweltfaktoren wichtig, wie ausreichend beleuchtete Flure und Zimmer. Oder Dinge, die dem dementen Patienten Halt und Orientierung geben und dafür sorgen, dass nicht jedes Krankenzimmer gleich aussieht, etwa eine Uhr im Raum oder farblich unterschiedlich gestaltete Wände. „Auch an die Decke projizierte Bilder können helfen“, so Stolz. „Denn beim Blick auf die kahle, weiße, neonbeleuchtete Zimmerdecke kann auch ein gesunder Mensch derilierend werden, wenn er nur lange genug auf der Intensivstation liegt.“